Interview mit Meister Mantak Chia

Geistige Unsterblichkeit ist das höchste Ziel. Mantak Chia entwickelte nach jahrelanger Forschungsarbeit das System des "Heilenden Tao". Dabei handelt es sich um Techniken, die zur Mobilisierung und Erweiterung der Energiekapazität im Körper bei gleichzeitiger Entspannung beitragen. Carsten Dohnke sprach mit dem Qigong-Meister über spirituelles Wachstum, das "Innere Lächeln" und die Kraft der Liebe.

Carsten Dohnke: Sie sind der Begründer des "Healing Tao" Systems. Worum geht es dabei?

Mantak Chia: Das erste Ziel ist, dass die Menschen lernen sich selbst zu heilen und spirituell unabhängig zu sein. Das längerfristige Ziel ist spirituelles Wachstum und das höchste Ziel ist das Erreichen geistiger Unsterblichkeit.

CD: Wie wichtig ist die Kraft der Liebe für ihre Arbeit?

MC: Im Taoismus geht Liebe immer einher mit Sexualität. Liebe und Sexualität sind die wichtigsten Energien des Menschen und zudem die elementarsten Kräfte in den Zellen unseres Organismus. Sie helfen, dass die Zellen sich besser teilen und nicht so schnell altern. Indem wir die Sexualkräfte und die Liebesenergie während der Praxis in unsere Organe lenken, können wir alten Ballast, der "auf den Organen liegt" loslassen und fühlen uns sowohl körperlich als auch seelisch erneuert. Diese Energie wird auch in der Zellteilung weitergetragen.

CD: Und wie wichtig ist die Kraft der Liebe in ihrem Privatleben?

MC: Liebe und Sex sind für jeden Menschen wichtig! (lacht) Ohne Liebe wäre mein Leben nicht viel wert. Ich würde mich energielos fühlen.

CD: Bitte erklären Sie uns die Techniken des "Inneren Lächelns" und die der "Sechs heilenden Laute".

MC: Das "Innere Lächeln" ist die wichtigste Basispraxis im Heilenden Tao. Durch sie kommt man tief in Kontakt mit seinen Organen, mit den Zellen und auch mit der eigenen genetischen Struktur. Wenn Sie lernen nach Innen zu lächeln, bringen Sie Energie in ihr System und ihre Organe. So kommt es zur Einheit zwischen Körper und Geist. Bei den "Sechs Heilenden Lauten" wirkt das gleiche Prinzip: Man benutzt Töne und bestimmte Handhaltungen für die Heilung der einzelnen Organe. Damit transformiert man negative Energie in positive Lebenskraft und balanciert zugleich die Organe untereinander aus. Dies entspricht der alten chinesischen Lehre der fünf Elemente. Es kommt zu innerer und äußerer Harmonie.

CD: Wie können wir unsere Lebensenergie steigern?

MC: Viele Menschen haben bisher noch nicht gelernt, wie sie ihren Körper mit Energie aufladen können. Das ist schade, denn eigentlich ist es ganz leicht. Wir müssen zunächst die Energie im Dan Tien fühlen. Dieses wichtige Energiezentrum liegt in der Mitte des Unterbauchs zwischen Nabel und Nieren. Wenn wir das Dan Tien aktivieren, spüren wir eine Art innere spiralisierende Kraft in diesem Zentrum. Wenn wir dann mit dem Geist die Unendlichkeit und die Spiralkraft des Universums fühlen und sie mittels tiefer Atmung aufnehmen, wird das Dan Tien automatisch mit universeller Energie aufgeladen. Geht diese Energie noch tiefer, erfüllt sie auch die einzelnen Organe und im höchsten Stadium durchdringt sie sogar die Knochen und das Mark.

CD: Welchen Sinn macht es, Energie in die Knochen zu bringen?

MC: Nach taoistischer Lehre ist es wichtig, den ganzen Körper mit Energie zu durchtränken. Der Alterungsprozess kann so verlangsamt und viele innere Krankheiten können geheilt werden. Außerdem können wir die gespeicherte Energie für die Bewältigung des Alltags und für unser spirituelles Wachstum nutzen.

CD: Was vermitteln Sie im Tao-Yoga-Grundkurs in Hamburg?

MC: Am Freitagabend zeige ich die Übungen der "Heilenden Liebe" und die Aktivierung der Multi-Orgasmischen Energie. Am Wochenende lehre ich dann die "Heilenden Laute", das "Innere Lächeln" und schließlich auch den "Kleinen- und den Großen Energiekreislauf". All diese Übungen harmonisieren die Yin- und die Yang-Energien im Körper und helfen uns gesünder, glücklicher und mit mehr Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.

CD: Bei welchen Meistern haben Sie gelernt?

MC: Mein Hauptlehrer heißt White Cloud, Weiße Wolke. Er ist ein chinesischer taoistischer Meister, der viele Jahre in den Bergen praktiziert hat.

CD: Sie haben Ihre Unterrichtsmethode in den letzten Jahren weiterentwickelt. Was hat sich verändert?

MC: Die Praktiken sind weiterhin die selben. Jedoch die Art und Weise, wie ich sie vermittle, habe ich verändert. Sehr viele Erkenntnisse des Taoismus wurden in den letzten Jahren durch westliche Wissenschaftler belegt. Diese Erkenntnisse integriere ich in den Unterricht. Beispielsweise werde ich an Bildern von kristallisiertem Wasser darstellen, wie sich die Struktur des Wassers durch die Übertragung von liebevoller Energie drastisch verändert.

 

Der Autor Carsten Dohnke übersetzt und assistiert seinem Lehrer Mantak Chia seit vielen Jahren.

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