Erfahrungen mit der Kurzform des inneren Taiji
von Dr. Jampa Mackenzie Stewart
Als ich Meister Mantak Chia 1982 zum ersten Mal begegnete, hatte ich etwa zehn Jahre lang Taiji gelernt und gelehrt. Dabei hatte ich bereits die folgenden Taijii-Stile und -Formen geübt: Chen-, Yang- und Wu-Stil; die Form von Cheng Man-ching und die 24 Positionen (sogenannter«Peking-Stil»). Tatsächlich kannte ich so viele verschiedene Taijii-Formen, dass ein Tag nicht ausreichte, um sie alle zu üben.
Jahrelang hatte ich zahlreiche Bücher über die geheimnisvollen inneren Wandlungsvorgänge gelesen, mit denen als Ergebnis der Taiji-Praxis zu rechnen sein sollte – vor allem die Transformation von sexueller Energie in Qi und von Qi in Geist. Aber entweder wussten meine Taiji-Lehrer nichts von diesen Praktiken oder sie wollten ihr Wissen nicht weitergeben. Während ich die vermittelten Techniken eifrig übte, war ich zugleich frustriert über das Schneckentempo, in dem ich Fortschritte zu machen schien. Als ich dann endlich Mantak Chia begegnete, war ich höchst erfreut, denn er erwies sich als wahrer Taoist, der die esoterischen Geheimnisse der taoistischen inneren Alchemie in aller Offenheit unterrichtete. Jedoch das Letzte, was ich von ihm lernen wollte, war eine weitere, neue Taiji- Form!
Als ich Meister Chias Taiji--Form zum ersten Mal sah, schien mir nichts Besonderes daran zu sein, denn sie bestand nur aus Vogelschwanz und Peitsche, und diese beiden Taiji-Bewegungen konnte ich schon auf fünferlei verschiedene Weise ausführen. Deshalb meinte ich, ich könnte Meister Chias Form wohl in einem Tag erlernen. So war ich recht stolz auf meine Taiji-Kenntnisse, als ich mich im Sommer 1986 in die Catskill-Berge im Norden des Staates New York begab, um an Meister Chias Lehrerausbildungs-Retreat teilzunehmen. Meister Chia verlangte von all seinen Ausbildern, dass sie als Grundvoraussetzung für das Unterrichten der höheren Stufen des Heilenden Tao Taiji-Qigong zu lernen hätten. «Mich kostet das keinen Schweiß», dachte ich mir, «denn die Jahre meines bisherigen Trainings werden mir zugute kommen.»
Doch was für ein hartes und beschämendes Erwachen erwartete mich da! Meister Chia kannte keine Gnade mit mir und zeigte sich von brutaler Offenheit in der Bewertung meiner Taiji-Künste. «Mit Müh und Not bestanden!» sagte er zu mir. «Wie ist es möglich, dass du so viele Jahre lang Taiji übst und noch nicht verwurzelt bist?».
Und in den folgenden Jahren bekam ich immer wieder von ihm zu hören: «Du hast es immer noch nicht kapiert! Keine Wirbelsäulenkraft, keine Spiralenergie! Wenn du Taiji unterrichtest, solltest du das können.» Wie konnte es in einer so kurzen Form so viel zu beherrschen geben? Durch die Schleier meines eigensinnigen Stolzes und meiner hartnäckigen Ignoranz dämmerte mir allmählich, dass Taiji nichts mit der Anzahl der Bewegungen, die man beherrscht, oder den verschiedenen Stilen, die man kennt, zu tun hat. Was zählt, ist die Qualität jeder einzelnen Bewegung. Wenn man die tieferen Prinzipien der Körpermechanik, Energieübertragung und Konzentration begreift, die in der Kunst des Taiji von den ersten Meistern an bis hin zur Gegenwart überliefert worden sind, dann ist alles, was man tut, Taiji. Wenn wir dagegen die inneren Prinzipien des Taiji nicht erfassen, dann sind unsere Formen hohl und leer, auch wenn die Bewegungen noch so schön aussehen mögen.
Das westliche Boxen verfügt zwar nur über wenige Techniken, doch wissen wir alle, wie schwierig es ist, ein Champion wie Muhammad Ali oder Mike Tyson zu werden. Zum Taiji gehören außer den dreizehn Grundtechniken noch eine Vielzahl von inneren Bewegungsprinzipien, und dies alles ist in der einfachen Form des Taiji-Qigong enthalten. Wenn weniger äußere Bewegungsabläufe zu lernen sind, schreitet der Taiji-Schüler schneller voran: vom anfänglichen Üben der äußeren Form bis zur Beherrschung der inneren Struktur des Taiji. Widerwillig musste ich zugeben, dass Meister Chias Schüler nach einem dreiwöchigen Intensivkurs in Taiji-Qigong weiter waren als meine Schüler, die bei mir zwei oder drei Jahre länger Taiji-Formen geübt hatten!
Die meisten traditionellen Taiji-Lehrer verlangten von ihren Schülern jahrelanges Üben, bevor sie ihnen Methoden der inneren Energiearbeit - wie zum Beispiel die Meditation des Kleinen Energiekreislaufs - vermittelten. Nach vielen Jahren des ergebenen Dienens und Studierens würde der Meister den glücklichen und eifrigen Schüler dann in seine inneren Gemächer führen und ihn dadurch belohnen, dass er ihm zum krönenden Abschluss seines Trainings den Kleinen Energiekreislauf zeigte.
Zu den genialen Methoden von Meister Chia gehört es, dass die Schüler von Anfang an den Kleinen Energiekreislauf und Eisenhemd-Qigong als Voraussetzung für Taiji zu lernen haben. Für Meister Chia ist Taiji ein Zweig des Heilenden Tao, eines umfassenden Systems zur Kultivierung heilender Energie im Geiste des Tao. Alle verschiedenen Zweige dieses Systems – wie Meditation im Sitzen, im Stehen und in der Bewegung, Kultivierung der Sexualenergie und Heilmethoden - stützen einander. Fortschritte bei der inneren Energiearbeit wie Meditation, Heilen und Qigong spiegeln sich unmittelbar im Taiji und umgekehrt…..
Obwohl der Kampfkunstaspekt in der Kurzform des Yang-Stils, wie wir ja als Taiji-Qigong bezeichnen, eine bedeutende Rolle spielt, sollte die Fähigkeit, sich zu verteidigen und eine friedliche Umgebung zu sichern, in der Reihenfolge der Prioritäten dem weisen Gebrauch unserer kostbaren Lebenskraft folgen. Denn ist ein Leben, das nur dem Kämpfen gewidmet ist, nicht tragisch? Lernen, sich selbst und andere Menschen zu heilen; lernen, sich ins Reich Geistes zu erheben; zur Harmonie mit sich selbst, der Gesellschaft und der Natur zurückzufinden – das sind unsere wahren Aufgaben in dieser Welt.
Taiji und sein Platz im System des Heilenden Tao
Obwohl Taiji von Laien jahrhundertelang praktiziert wurde, lässt sich seine wahre Tiefe und Bedeutung nur im gesamten Kontext der taoistischen Praxis wirklich verstehen. Früher und heute üben taoistische Adepten Taiji als einen Teil ihres Gesamtprogramms zur Pflege und Entwicklung ihres physischen Körpers, ihres Energiekörpers und ihres Geistkörpers. Diese Drei Körper entsprechen den Drei Schätzen (San Bao) der Taoisten: Jing, der Sexualenergie oder Essenz; Qi, dem inneren Atem, der fundamentalen Lebenskraft; und Shen, dem Geist oder Bewusstsein.
Alle taoistischen Disziplinen zielen darauf ab, diese Drei Schätze zu stärken. Von keiner taoistischen Einzeldisziplin lässt sich behaupten, dass sie alle Drei Schätze mit gleicher Intensität und Wirksamkeit fördert. Aus diesem Grund setzen die meisten ernsthaft Übenden eine Kombination von Techniken ein, um die Drei Schätze zu nähren und auf diese Weise die Drei Körper zu stärken und zu entwickeln.
Im System des Heilenden Tao üben wir eine eine Kombination von Methoden im Sitzen, im Stehen und in der Bewegung, die sich gegenseitig unterstützen und eine solide Grundlage für die Beherrschung der inneren Disziplinen schaffen.
Der Kleine Energiekreislauf
Viele üben zwar jahrelang eifrig Taiji, haben aber keine klare Vorstellung davon, wie sich Qi anfühlt. Zu den Anforderungen an ein fortgeschrittenes Kampfkunsttraining gehört die Fähigkeit, die Absicht des Gegners zu erspüren, bevor er sich in Bewegung setzt. Wenn man nicht in der Lage ist, seine eigene Energie zu spüren, ist es unmöglich, die Energie eines anderen zu spüren, geschweige denn das Qi, das die Absichten des Gegners bewegt, bevor sie sich in irgendeiner Aktion äußern.
Der erste Schritt bei der Übung des Taiji-Qigong besteht deshalb darin, mit den uns belebenden Kräften vertraut zu werden und zu lernen, sie zu spüren und durch den Kleinen Energiekreislauf zu lenken und kreisen zu lassen.
Die Meditation des Kleinen Energiekreislaufs bildet die Grundlage für alle Disziplinen des Heilenden Tao. Der Kleine Kreislauf ist unsere wichtigste Energiebahn; sie speist alle anderen Energiekanäle im Organismus. Durch die Öffnung dieser Bahn und die Beseitigung von Blockaden in ihrem Verlauf wird in zunehmendem Maße Qi freigesetzt, das zur Belebung des ganzen Körpers beiträgt. Durch diese Übung lernt man zu erkennen, wie sich Qi anfühlt, während es durch den Lenker-Meridian in der Rückenmitte nach oben und den Diener-Meridian auf der Vorderseite des Körpers nach unten zirkuliert. Wenn wir fühlen können, wie sich Qi durch den Körper bewegt, können wir auch spüren, ob die eigenen Taiji-Stellungen strukturell stimmen, indem wir beobachten, ob die betreffende Stellung den Energiefluss im Körper öffnet oder blockiert. Die Grundlagen des Energieflusses sind bei der Meditation im Sitzen leichter zu erlernen, denn dabei ist man nicht abgelenkt durch die Aufgabe, sich bewegen und auf Hunderte von Details bei der Taiji -Form achten zu müssen. Sobald wir mit dem Gefühl für den Qi-Fluss vertraut sind, ist es einfach, diese Erfahrung in die Taiji-Bewegungen zu integrieren.
Das Innere lächeln und die Sechs Heilenden Laute
Diese Sensibilität für das eigene Qi wird im System des Heilenden Tao durch die Übung des Inneren Lächelns und der Sechs Heilenden Laute verfeinert. Mit Hilfe des Inneren Lächelns können wir mit unseren Organen kommunizieren; dabei treten wir mit dem Höheren Selbst in Verbindung und lenken eine liebevolle und dankbare Aufmerksamkeit zu den verschiedenen Körperteilen. Wir alle kennen Situationen, in denen wir einer neuen Umgebung völlig fremd gegenüberstehen. Wenn wir zum Beispiel in einem fremden Land sind, dessen Sprache wir nicht einmal sprechen können, kann doch ein Lächeln anderen Menschen automatisch mitteilen, dass wir in freundlicher Absicht gekommen sind. Daher ist Lächeln eine Form von Sprache, eine freundliche Sprache, die wir bei der taoistischen Praxis dazu einsetzen, nicht nur mit anderen Menschen, sondern mit unseren eigenen Organen und anderen Körperteilen zu kommunizieren.
Die Sechs Heilenden Laute sind eine Methode, die Energie in den Hauptorganen mit Hilfe von bestimmten Bewegungen, Stellungen und Lauten zu harmonisieren. Warum sollten wir mit den Organen in Verbindung treten? Bei der taoistischen Praxis gehen wir davon aus, dass die Organe diejenigen Orte im Organismus sind, an denen Qi gesammelt, verfeinert und gespeichert und damit zur Erhaltung des Lebens verfügbar gemacht wird. Vertrautheit mit den Körperorganen und Sensibilität für das Qi sind wichtig, um ein Gefühl für die Bedürfnisse des Körpers und die lebensspendende Energie zu entwickeln. Die Sechs Heilenden Laute tragen zur Abkühlung und Entgiftung der Organe bei und helfen uns, negative Emotionen, die unseren Energiefluss zu behindern beginnen, freizusetzen.
Zunächst mag es uns so vorkommen, als hätte das Innere Lächeln nichts mit den Sechs Heilenden Lauten zu tun, aber später lernen wir am Ende jedes Einzellautes in das betreffende Organ zu lächeln. Nach taoistischer Auffassung hat das Bewusstsein seinen Sitz nicht nur im Gehirn, sondern auch in den Hauptorganen und in einem etwas subtileren Sinne sogar in jeder einzelnen Zelle. Mit der Übung der Sechs Heilenden Laute und des Inneren Lächelns lernen wir, in den Körper zu lauschen und eine tiefere innere Sensibilität zu entwickeln. Durch Lächeln in die Organe und Dankbarkeit für ihre Arbeit können wir schließlich die Intelligenz des ganzen Körpers aufs neue erwecken.
Im System des Heilenden Tao beginnen wir deshalb die Übung des Taiji-Qigong stets mit dem Inneren Lächeln. Dadurch können die Übenden besser entspannen und ihre Aufmerksamkeit auf die subtilen inneren Empfindungen richten. Obwohl die Sechs Heilenden Laute nicht direkt zur Übung der Taiji-Form gehören, fördert ihre Ausführung zu jeder Tageszeit Entspannung und innere Bewusstheit, und dieser angeregte Zustand hat einen positiven Einfluss auf die Übung des Taiji.
Eisenhemd-Qigong
In der Praxis des Heilenden Tao hört die Energiearbeit nicht damit auf, die Energie zu spüren und mit den Organen in Verbindung zu treten. Da die Lebensenergie innerhalb des gesamten physischen Organismus zirkuliert, legt man größten Wert darauf, diesen Organismus in guter Verfassung zu halten. Wir mögen noch so viel Energie und Vitalität besitzen, aber wenn wir ständig zusammengesackt dasitzen, nicht zentriert stehen oder vorwärts gebeugt gehen, kommt es schließlich zu Verschiebungen in unserem Knochengerüst. Außerdem werden dadurch die Organe unnötigem Druck ausgesetzt und so gezwungen, unter innerem Stress zu arbeiten. Da der Qi-Fluss dann an bestimmten Stellen unterbrochen wird, kommt es dort zu einem Überschuss oder Mangel an Energie, was schließlich zu Krankheiten führen kann. Um Schäden an der physischen oder energetischen Struktur zu vermeiden, lehren wir eine Übungsfolge, die unter der Bezeichnung Eisenhemd-Qigong bekannt ist. Das chinesische Wort Gong in Qigong bedeutet intensive Bemühung . Im Eisenhemd-Qigong bemühen wir uns intensiv um drei Aspekte von Qi: Qi i in der Atemluft; ursprüngliches Qi (pränatales Qi oder Urkraft), das sich seit der Empfängnis in unserem Organismus befindet; und das Qi in den Organen. Dabei arbeiten wir auch mit dem Knochengerüst, den Sehnen, dem Bindegewebe, das alle Organe und Muskeln umgibt, und dem Knochenmark. Ferner lernen wir das Knochengerüst in einer Weise auszurichten, dass wir eine von außen auf uns gerichtete große Kraft in den Boden umlenken können, um zu verhindern, dass sie uns aus dem Gleichgewicht bringt.
Durch die Fähigkeit, unser Knochengerüst vollständig an der Schwerkraft auszurichten, erleichtern wir auch den Energiefluss im Körper.
Die alten Taoisten waren fest davon überzeugt, dass jede körperliche Veränderung ähnliche Veränderungen im Geist und in den Emotionen bewirkt. Umgekehrt gilt auch, dass Veränderungen im mentalen und emotionalen Bereich sich im physischen Körper manifestieren. Die durch die Übung des Eisenhemd bewirkte Integration der Körperstruktur führt letztlich zu einem ausgeglicheneren Energiehaushalt, zu besserer Gesundheit und zu größerer physischer und psychischer Stabilität.
Beim Eisenhemd-Qigong ist die intensive Körper- und Energiearbeit eher von statischer Art; bei der Durchführung der verschiedenen Positionen steht man fest verwurzelt an einer Stelle. Aber wir sind keine Bäume, die sich nie von der Stelle bewegen! Wenn wir die Prinzipien des Eisenhemd in Bewegung umsetzen, gelangen wir zur Übung des Taiji.
Tao der Heilenden
Liebe Jing-Qi, die Energie unseres Fortpflanzungssystems, ist die konzentrierteste Energieform in unserem Organismus. So wie im Samenkorn schon der ganze Baum angelegt ist, so enthält auch unsere Sexualenergie die Essenz eines ganzen menschlichen Wesens. Bei allen Lebensformen, die sich sexuell vermehren, wird sehr viel Energie für das Fortpflanzungssystem aufgewandt. Wenn diese Energie nicht zur Zeugung von Nachwuchs eingesetzt und nicht wieder in den Organismus zurückgeführt wird, geht sie einfach verloren. Das bedeutet einen großen Verschleiß an Lebenskraft. Wie wir wissen, verwelken viele Pflanzen unmittelbar nach der Reifung ihrer Samen, und zahlreiche Tiere sterben bald nach der Fortpflanzung.
Durch die Übung des Taiji-Qigong können wir den Grundstein für die innere Umwandlung von Jing in Qi, von Qi in Shen und von Shen in Wuji legen. Die Bewahrung der Sexualenergie ist eine Voraussetzung für diese alchimistischen Wandlungsvorgänge. Es ist daher für alle Taiji-Qigong-Praktizierenden wichtig, die Methoden der Heilenden Liebe lernen, um ihre Sexualenergie zu bewahren. Bei der Heilenden Liebe wird auch gelehrt, wie man einen Ausgleich zwischen dem Yin- und dem Yang-Aspekt seiner Sexualenergie herstellt. Bei vielen Taiji-Meistern, denen die taoistischen Geheimnisse der Liebe nicht bekannt waren, wurde der Yang-Aspekt zu dominierend; deshalb versuchten viele in schädlicher Weise, ihr Übermaß an Yang zum Beispiel durch ein ausschweifendes Sexualleben, Drogen oder Alkohol zu zerstreuen. Natürlich führte das dazu, dass manche relativ jung starben und so darin versagten, die Früchte der Langlebigkeit, für welche die Übung des Taiji so berühmt ist, zu verwirklichen.
Knochenmark-Neigong
Taiji-Meister sind auch dafür bekannt, außerordentlich starke und feste Knochen zu besitzen, vergleichbar mit Stahl, der in Baumwolle gewickelt ist. Kürzlich wurde bei einer Untersuchung in China festgestellt, dass es in einer Gruppe von weiblichen und männlichen Taiji-Übenden über achtzig keinerlei Anzeichen von Osteoporose gab. In der taoistischen Physiologie geht man davon aus, dass die sexuelle Essenz in den Nieren, dem Organ, welches das Fortpflanzungssystem beherrscht, gespeichert wird. Die Nieren herrschen auch über die Knochen, das Mark und das Gehirn. Die taoistischen sexuellen Praktiken sorgen dafür, dass die Sexualorgane gesund und funktionstüchtig bleiben. Wenn Taiji in Verbindung mit den Techniken der Heilenden Liebe, des Eisenhemd und des Knochenmark- Neigong (neigong – inneres Qigong )praktiziert wird, wird die Essenz der Sexualenergie zurückgewonnen und in die Knochen gelenkt, um dort sowohl das Knochengewebe als auch das Knochenmark zu stärken und zu erneuern.
Meditation in der Bewegung
Sobald der Lernende ein deutliches Gefühl für Qi entwickelt hat, lernt er im nächsten Schritt, sich so weit zu entspannen, dass Qi und Geist den Körper bewegen können. Sobald er sich im Stehen nach der Himmlischen Kraft und der Erdkraft auszurichten vermag, ist es nicht mehr schwer, sich jederzeit in perfekter Ausrichtung zu bewegen. Sobald er ein Gefühl der Verwurzelung in die Erde sowie geistige Sammlung und Stabilität durch Meditation entwickelt hat, ist es relativ leicht, diese Fähigkeiten in den Alltag zu übertragen. Die Übung des Taiji ist deshalb eine weitere Verfeinerung der Sitzmeditation, dem Kleinen Energiekreislauf, und der Praxis im Stehen, dem Eisenhemd-Qigong. Durch diese Übung lässt sich die Zentriertheit, die bei der Meditation und beim Eisenhemd entwickelt. wurde, auf die Bewegungen im täglichen Leben übertragen und so das Wohlbefinden steigern.
